Wie läuft eine Scheidung 2026 ab und was kostet sie?
Wie läuft eine Scheidung in Deutschland ab, wie lange dauert sie und was kostet sie? Am Anfang steht fast immer das Trennungsjahr, dann folgen Scheidungsantrag, Versorgungsausgleich und der Gerichtstermin. Die Kosten richten sich nach dem Verfahrenswert – und nicht nach einem festen Preis. Wer sich einig ist, kommt mit einem Anwalt und geringeren Kosten aus; wer streitet, zahlt mehr und wartet länger. Wir erklären Schritt für Schritt den Ablauf, realistische Zeiträume, wie sich die Kosten berechnen und wie Sie mit Verfahrenskostenhilfe entlastet werden können.
1. Voraussetzung: das Trennungsjahr
2. Der Scheidungsantrag
3. Anwaltszwang: einer reicht oft
4. Der Versorgungsausgleich
5. Folgesachen und Scheidungsverbund
6. Der Gerichtstermin
7. Wie lange dauert es
8. Der Verfahrenswert
9. Die Kosten der Scheidung
10. Verfahrenskostenhilfe
11. Beispiel aus der Praxis
12. Mythen zur Scheidung
13. Häufige Fragen
1. Voraussetzung: das Trennungsjahr
Vor fast jeder Scheidung steht das Trennungsjahr. Das Gesetz verlangt, dass die Ehe gescheitert ist – und das wird in der Regel angenommen, wenn die Eheleute seit einem Jahr getrennt leben. Erst danach kann die Scheidung eingereicht werden.
Getrennt leben bedeutet: „Trennung von Tisch und Bett“. Das ist – unter Bedingungen – auch innerhalb derselben Wohnung möglich, wenn die häusliche Gemeinschaft aufgehoben ist. Der Zeitpunkt des Trennungsbeginns ist wichtig, weil davon die Jahresfrist zählt.
2. Der Scheidungsantrag
Nach Ablauf des Trennungsjahres wird der Scheidungsantrag beim zuständigen Familiengericht (Amtsgericht) eingereicht. Der Antrag stellt den formellen Beginn des Verfahrens dar.
3. Anwaltszwang: einer reicht oft
Vor dem Familiengericht besteht Anwaltszwang: Den Scheidungsantrag kann nur eine Anwältin oder ein Anwalt stellen. Bei einer einvernehmlichen Scheidung genügt jedoch ein Anwalt – der andere Partner muss lediglich zustimmen und braucht keinen eigenen Anwalt (kann aber einen hinzuziehen).
4. Der Versorgungsausgleich
Im Scheidungsverfahren wird in der Regel von Amts wegen der Versorgungsausgleich durchgeführt: Die während der Ehe erworbenen Rentenanwartschaften werden zwischen den Eheleuten hälftig ausgeglichen.
5. Folgesachen und Scheidungsverbund
Neben der Scheidung selbst können Folgesachen geregelt werden: Ehegattenunterhalt, Kindesunterhalt, Sorge- und Umgangsrecht, Vermögensauseinandersetzung (Zugewinn), Haushalt und Wohnung. Werden sie im Verfahren mitverhandelt, spricht man vom Scheidungsverbund.
6. Der Gerichtstermin
Zum Scheidungstermin werden beide Eheleute geladen. Das Gericht stellt fest, dass die Trennungsvoraussetzungen erfüllt sind und die Ehe gescheitert ist, und spricht die Scheidung aus. Der Termin ist meist kurz, wenn Einigkeit besteht.
Mit Rechtskraft des Scheidungsbeschlusses ist die Ehe beendet. Wer auf Rechtsmittel verzichtet, verkürzt die Zeit bis zur Rechtskraft.
7. Wie lange dauert es
Die Dauer hängt stark vom Einzelfall ab. Als grobe Orientierung:
| Konstellation | Typische Dauer |
|---|---|
| Einvernehmlich, ohne Streit | oft ca. 4–8 Monate ab Antrag |
| Mit Versorgungsausgleich | häufig länger wegen Auskünften |
| Streitig, mit Folgesachen | deutlich länger, teils über ein Jahr |
8. Der Verfahrenswert
Die Kosten richten sich nach dem Verfahrenswert (früher Streitwert). Dieser orientiert sich vor allem am Nettoeinkommen beider Eheleute – üblicherweise am dreifachen Monatsnettoeinkommen – zuzüglich Werten für den Versorgungsausgleich und ggf. Vermögen.
Ein verbreitetes Missverständnis ist, dass ein hoher Verfahrenswert „schlecht“ und ein niedriger „gut“ sei. Tatsächlich schützt der Verfahrenswert auch: Er bemisst die Kosten anteilig an den wirtschaftlichen Verhältnissen, sodass Menschen mit geringem Einkommen nicht dieselben Gebühren tragen wie Gutverdiener. Für den Versorgungsausgleich wird pro auszugleichendem Anrecht ein zusätzlicher Wert angesetzt, ebenso für jede in den Verbund gezogene Folgesache. Deshalb kann eine Scheidung mit vielen strittigen Punkten deutlich teurer werden als eine schlichte einvernehmliche Scheidung bei gleichem Einkommen. Wer die Kosten realistisch einschätzen will, sollte vorab mit anwaltlicher Hilfe eine überschlägige Berechnung des Verfahrenswerts vornehmen – so gibt es am Ende keine böse Überraschung.
9. Die Kosten der Scheidung
Aus dem Verfahrenswert ergeben sich nach den gesetzlichen Gebührenordnungen die Gerichtskosten und die Anwaltskosten. Beide steigen mit dem Verfahrenswert.
- Einvernehmlich, ein Anwalt: die günstigste Variante;
- streitig, zwei Anwälte, Folgesachen: deutlich teurer;
- hinzu kommen ggf. Kosten für Gutachten oder Sachverständige.
10. Verfahrenskostenhilfe
Wer die Kosten nicht tragen kann, hat unter Umständen Anspruch auf Verfahrenskostenhilfe (VKH). Der Staat übernimmt dann – abhängig von Einkommen und Vermögen – ganz oder teilweise die Kosten, teils gegen Ratenzahlung.
Scheidung geplant und Fragen zu Ablauf und Kosten?
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11. Beispiel aus der Praxis
Beispielhafte Situation. Ein Paar ohne größeren Streit trennt sich und hält das Trennungsjahr ein. Danach beauftragt einer der Partner einen Anwalt, der den Scheidungsantrag stellt; der andere stimmt zu. Das Gericht führt den Versorgungsausgleich durch – der wegen der Auskünfte der Rententräger einige Monate dauert. Nach einem kurzen Gerichtstermin wird die Scheidung ausgesprochen. Weil beide auf Rechtsmittel verzichten, wird der Beschluss rasch rechtskräftig. Durch die Einigkeit bleiben die Kosten überschaubar.
Fazit: Der Ablauf ist klar strukturiert. Wer sich einigt, spart Zeit und Geld – der größte Kostentreiber ist der Streit über die Folgesachen.
12. Mythen zur Scheidung
- „Eine Scheidung kostet überall gleich.“ Nein: Die Kosten richten sich nach dem Verfahrenswert.
- „Man kann sofort geschieden werden.“ In der Regel nicht: Zuerst das Trennungsjahr.
- „Jeder braucht einen eigenen Anwalt.“ Bei Einvernehmen genügt ein Anwalt.
- „Getrennt leben geht nur in getrennten Wohnungen.“ Auch in einer Wohnung möglich, wenn getrennt gewirtschaftet wird.
- „Den Versorgungsausgleich muss man beantragen.“ Er erfolgt in der Regel von Amts wegen.
13. Häufige Fragen
Muss ich vor der Scheidung ein Trennungsjahr einhalten?
In der Regel ja. Die Ehe gilt als gescheitert, wenn die Eheleute seit einem Jahr getrennt leben. Erst danach kann der Scheidungsantrag gestellt werden. Getrennt leben ist unter Bedingungen auch innerhalb derselben Wohnung möglich, wenn die häusliche Gemeinschaft aufgehoben ist.
Braucht jeder Ehepartner einen eigenen Anwalt?
Vor dem Familiengericht besteht Anwaltszwang, aber bei einer einvernehmlichen Scheidung genügt ein Anwalt. Der andere Partner muss nur zustimmen und braucht keinen eigenen Anwalt. Bei Streit über die Folgen benötigt jede Seite eigene anwaltliche Vertretung.
Wonach richten sich die Scheidungskosten?
Nach dem Verfahrenswert, der sich vor allem am dreifachen Monatsnettoeinkommen beider Eheleute orientiert, zuzüglich Werten für den Versorgungsausgleich und gegebenenfalls Vermögen. Aus dem Verfahrenswert ergeben sich die Gerichts- und Anwaltskosten. Einen Fixpreis gibt es nicht.
Wie lange dauert eine Scheidung?
Bei Einvernehmen oft etwa vier bis acht Monate ab Antrag, häufig länger, wenn der Versorgungsausgleich Auskünfte erfordert oder strittige Folgesachen mitverhandelt werden. Hinzu kommt das vorausgehende Trennungsjahr, sodass die Gesamtdauer meist länger ist als erwartet.
Was ist der Versorgungsausgleich?
Der Ausgleich der während der Ehe erworbenen Rentenanwartschaften, die zwischen den Eheleuten hälftig geteilt werden. Er wird in der Regel von Amts wegen durchgeführt und kann in bestimmten Fällen, etwa bei kurzer Ehe, entfallen oder ausgeschlossen werden.
Gibt es Hilfe bei den Kosten?
Ja. Wer die Kosten nicht tragen kann, hat unter Umständen Anspruch auf Verfahrenskostenhilfe. Der Staat übernimmt dann abhängig von Einkommen und Vermögen ganz oder teilweise die Kosten, teils gegen Ratenzahlung. Das sollte frühzeitig geprüft werden.
Was ist eine Scheidungsfolgenvereinbarung?
Eine Vereinbarung, in der die Eheleute die Folgen der Scheidung – etwa Unterhalt, Vermögensaufteilung, Wohnung oder Versorgungsausgleich – vorab einvernehmlich regeln. Werden diese Punkte so aus dem Streit genommen, sinken Verfahrenswert und Aufwand, und das Verfahren wird schneller und günstiger. Je nach Inhalt ist eine notarielle Beurkundung erforderlich.
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