Gewaltschutz bei häuslicher Gewalt: Ihre Rechte

Schnelle Hilfe: Schutzanordnung und Gewalthilfegesetz

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Wer von häuslicher Gewalt betroffen ist, braucht schnellen und wirksamen Schutz. Das deutsche Recht bietet dafür klare Instrumente – von der polizeilichen Wohnungsverweisung über gerichtliche Schutzanordnungen bis zur Zuweisung der gemeinsamen Wohnung. Mit dem Gewalthilfegesetz kommt zudem ein bundesweiter Rechtsanspruch auf Schutz und Beratung. Wir erklären Ihre Rechte und wie Sie sie durchsetzen.

In akuter Gefahr wählen Sie sofort den Notruf 110. Dieser Beitrag erklärt die rechtlichen Möglichkeiten, ersetzt aber keine Hilfe in einer Notsituation.

Was zählt als häusliche Gewalt?

Häusliche Gewalt umfasst weit mehr als körperliche Übergriffe. Dazu gehören auch Drohungen, Nachstellungen (Stalking), Freiheitsberaubung sowie psychische Gewalt. Betroffen sind nicht nur Ehepartner, sondern auch Partner in nichtehelichen Beziehungen, ehemalige Partner und weitere Personen im häuslichen Umfeld. Das Gesetz schützt unabhängig davon, ob die Beteiligten verheiratet sind oder zusammenwohnen.

Sofortschutz: Die polizeiliche Wohnungsverweisung

Nach einem Gewaltvorfall kann die Polizei den gewalttätigen Partner der Wohnung verweisen und ein befristetes Rückkehrverbot aussprechen. Grundlage sind die Polizeigesetze der Länder. Dieser Platzverweis verschafft dem Opfer die nötige Zeit, um weitere Schritte einzuleiten – insbesondere einen Antrag beim Familiengericht. Die Frist ist jedoch begrenzt; wer dauerhaften Schutz will, muss zügig handeln.

Schutzanordnungen nach dem Gewaltschutzgesetz

Das zentrale Instrument ist das Gewaltschutzgesetz (GewSchG). Nach § 1 GewSchG kann das Familiengericht auf Antrag des Opfers gegenüber dem Täter insbesondere anordnen, dass dieser es unterlässt,

  • die Wohnung des Opfers zu betreten,
  • sich in einem bestimmten Umkreis der Wohnung aufzuhalten (Annäherungsverbot),
  • Orte aufzusuchen, an denen sich das Opfer regelmäßig aufhält (z. B. Arbeitsplatz),
  • Kontakt aufzunehmen – auch per Telefon, Messenger oder über Dritte (Kontaktverbot),
  • ein Zusammentreffen herbeizuführen.

Verstößt der Täter gegen eine solche Anordnung, macht er sich strafbar. Das gibt den Schutzanordnungen echten Nachdruck.

Die gemeinsame Wohnung: Zuweisung nach § 2 GewSchG

Häufig stellt sich die Frage, wer in der gemeinsamen Wohnung bleiben darf. Nach § 2 GewSchG kann das Gericht dem Opfer die Wohnung zur alleinigen Nutzung überlassen – auch dann, wenn beide Partner Mieter sind oder die Wohnung dem Täter gehört. Das Opfer muss also nicht das Zuhause verlassen, während der Täter bleibt. Die Überlassung wird zeitlich befristet und an Voraussetzungen geknüpft.

Das Eilverfahren: Schnell zum Schutz

Schutz muss schnell kommen. Deshalb können Schutzanordnungen im Wege der einstweiligen Anordnung erlassen werden. In dringenden Fällen entscheidet das Familiengericht kurzfristig und ohne vorherige mündliche Verhandlung. Für den Antrag hilfreich sind Belege wie ärztliche Atteste, Fotos von Verletzungen, das polizeiliche Aktenzeichen sowie Zeugen. Ein Fachanwalt kann den Antrag so vorbereiten, dass der Schutz möglichst rasch greift.

Das Gewalthilfegesetz: Neuer Rechtsanspruch auf Schutz

Mit dem Gewalthilfegesetz (GewHG) hat der Gesetzgeber einen Meilenstein gesetzt. Das Gesetz trat am 28. Februar 2025 in weiten Teilen in Kraft und schafft erstmals bundesweit einen Rahmen für ein verlässliches Hilfesystem bei geschlechtsspezifischer und häuslicher Gewalt. Es konkretisiert die Verpflichtungen aus der Istanbul-Konvention.

Kernpunkte:

  • Ein individueller Rechtsanspruch auf Schutz und Beratung für betroffene Frauen und ihre Kinder greift ab dem 1. Januar 2032 – Leistungen in Schutzeinrichtungen und Beratungsstellen sollen dann kostenfrei und unabhängig von Wohnort, Aufenthaltsstatus oder Einkommen sein.
  • Die Sicherstellungsverantwortung der Länder für ein bedarfsgerechtes Angebot beginnt am 1. Januar 2027.
  • Der Bund unterstützt den Ausbau mit erheblichen Mitteln, um die bestehende Unterversorgung – etwa fehlende Frauenhausplätze – zu beheben.

Bis der Rechtsanspruch vollständig greift, bleiben die bestehenden Schutzinstrumente des Gewaltschutzgesetzes und die Hilfsangebote vor Ort der Weg, um schnell Sicherheit zu erlangen.

Gewaltschutz und Kinder

Erleben Kinder häusliche Gewalt mit, wirkt sich das auf Sorge- und Umgangsfragen aus. Der 2026 vorgelegte Entwurf zur Reform des Kindschaftsrechts will ausdrücklich klarstellen, dass der Umgang ausgeschlossen werden kann, wenn Gewalt gegen den anderen Elternteil vorliegt und der Ausschluss zum Schutz erforderlich ist. Schon heute ist der Schutz des Kindes vor miterlebter Gewalt ein gewichtiger Belang des Kindeswohls.

Schutz vor häuslicher Gewalt durchsetzen

Ein Fachanwalt für Familienrecht in Berlin stellt schnell die richtigen Anträge – vom Annäherungs- und Kontaktverbot bis zur Wohnungszuweisung – und begleitet Sie sicher durch das Eilverfahren.

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Häufige Fragen zum Gewaltschutz

Wie schnell bekomme ich eine Schutzanordnung?

Schutzanordnungen können im Wege der einstweiligen Anordnung ergehen. In dringenden Fällen entscheidet das Familiengericht kurzfristig, teils innerhalb weniger Tage und ohne vorherige mündliche Verhandlung. Aussagekräftige Belege beschleunigen das Verfahren.

Muss ich als Opfer aus der Wohnung ausziehen?

Nein. Nach § 2 Gewaltschutzgesetz kann das Gericht Ihnen die gemeinsame Wohnung zur alleinigen Nutzung überlassen – auch wenn der Täter Mieter oder Eigentümer ist. Der Täter muss dann die Wohnung verlassen.

Gilt der Schutz auch ohne Ehe oder Zusammenleben?

Ja. Das Gewaltschutzgesetz schützt unabhängig davon, ob die Beteiligten verheiratet sind oder zusammenwohnen. Auch ehemalige Partner und andere Personen im Umfeld können erfasst sein.

Was bringt das Gewalthilfegesetz konkret?

Es schafft erstmals einen bundesweiten Rahmen für ein verlässliches Hilfesystem. Ein individueller Rechtsanspruch auf kostenfreien Schutz und Beratung greift ab dem 1. Januar 2032; die Länder tragen ab dem 1. Januar 2027 die Sicherstellungsverantwortung für ausreichende Angebote.

Was passiert, wenn der Täter gegen die Anordnung verstößt?

Ein Verstoß gegen eine gerichtliche Schutzanordnung ist strafbar und kann mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe geahndet werden. Dokumentieren Sie jeden Verstoß und informieren Sie umgehend Polizei und Anwalt.

Nützliche Informationen

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