Urheberrecht bei Fotos: Was ist erlaubt? - Anwalte-de.com

Urheberrecht bei Fotos: Was ist erlaubt?

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Ein Bild sagt mehr als tausend Worte – doch oft löst es mehr Fragen als Antworten aus, besonders wenn es um das Urheberrecht bei Fotos geht. Egal, ob Sie Hobbyfotograf sind, der seine Kunstwerke online teilen möchte, oder ein begeisterter Social-Media-Nutzer, der interessante Inhalte entdeckt: Die Regeln, was erlaubt ist und was nicht, sind komplex und können schnell zu unangenehmen Überraschungen führen. Eine Unkenntnis dieser Gesetze ist keine Entschuldigung vor dem Gesetz und kann teure Abmahnungen nach sich ziehen. Deshalb ist es unerlässlich, die Grundlagen des Urheberrechts für Fotos in Deutschland zu verstehen, um sich und andere zu schützen und rechtliche Fallstricke zu vermeiden.

Was ist Urheberrecht überhaupt?

Das Urheberrecht ist das Recht des Schöpfers eines Werkes (des Urhebers), dessen Werk zu schützen. In Deutschland ist es im Urheberrechtsgesetz (UrhG) geregelt und entsteht automatisch mit der Schaffung des Werkes. Sie müssen Ihr Foto nicht registrieren oder anmelden, um Urheberrechte daran zu haben – es ist Ihr Eigentum in dem Moment, in dem Sie den Auslöser betätigen.

Der Urheber – Wer ist das?

Der Urheber ist stets die natürliche Person, die das Foto gemacht hat. Es ist der Fotograf, und nur er. Auch wenn ein Unternehmen den Auftrag erteilt hat, ist der Fotograf der Urheber. Das Unternehmen erwirbt lediglich Nutzungsrechte am Bild, nicht das Urheberrecht selbst. Werden mehrere Personen gemeinsam kreativ tätig und erschaffen ein Werk, sind sie Miturheber.

Die Schöpfungshöhe – Wann ist ein Foto schützenswert?

Nicht jedes Bild ist gleich schützenswert. Das Urheberrecht unterscheidet zwischen einem „Lichtbildwerk“ (§ 2 Abs. 1 Nr. 5 UrhG), das eine persönliche geistige Schöpfung darstellt und eine gewisse Gestaltungshöhe aufweist (z.B. künstlerische Fotos, Porträts mit besonderer Lichtsetzung), und einem „einfachen Lichtbild“ (§ 72 UrhG), das praktisch jedes Foto umfasst, das nicht diese Schöpfungshöhe erreicht (z.B. Schnappschüsse, Dokumentationsfotos). Wichtig ist: Auch einfache Lichtbilder genießen Schutz, allerdings in geringerem Umfang und über einen kürzeren Zeitraum (50 Jahre nach Veröffentlichung statt 70 Jahre nach Tod des Urhebers). Der Grundsatz lautet: Jedes Foto ist in irgendeiner Form urheberrechtlich geschützt.

Was darf ich mit fremden Fotos machen? Die goldenen Regeln.

Die zentrale Regel im Urheberrecht lautet: Ohne Erlaubnis des Urhebers dürfen Sie fremde Fotos grundsätzlich nicht nutzen.

Private Nutzung vs. Öffentliche Nutzung

Für private Zwecke dürfen Sie vieles. Ein Foto herunterladen, ausdrucken und ins Familienalbum kleben? Kein Problem. Ein Foto auf Ihrem Computer speichern und nur Freunden zeigen? Auch das ist in der Regel erlaubt. Sobald Sie das Foto aber Dritten öffentlich zugänglich machen – sei es auf Social Media, Ihrer Webseite, in einem Vortrag oder per E-Mail an einen größeren Kreis –, verlassen Sie den privaten Bereich und benötigen die Zustimmung des Urhebers.

Social Media und das Urheberrecht

Gerade in sozialen Netzwerken lauern viele Fallen. Ein Klick auf „Teilen“ oder „Retweeten“ ist in der Regel unproblematisch, da hier das Original verlinkt wird und die Plattformen solche Funktionen in ihren Nutzungsbedingungen vorsehen. Problematisch wird es aber, wenn Sie:

  • Fremde Fotos herunterladen und dann selbst wieder hochladen (Re-Upload). Dies verletzt das Recht des Urhebers auf Vervielfältigung und öffentliche Zugänglichmachung.
  • Screenshots von fremden Beiträgen erstellen und diese selbst posten. Auch hier liegt in der Regel eine Urheberrechtsverletzung vor, da Sie das Bild des Urhebers ohne dessen Zustimmung vervielfältigen und öffentlich zugänglich machen.
  • Fotos verwenden, die Sie von Google oder einer anderen Suchmaschine gefunden haben. Die Suchmaschine gibt Ihnen keine Nutzungsrechte!

Im Zweifel gilt: Wenn Sie ein Foto nicht selbst gemacht haben, holen Sie sich die Erlaubnis des Urhebers ein. Auch das Nennen des Urhebers oder Verlinken der Quelle ersetzt nicht die fehlende Erlaubnis, ist aber bei vorhandener Erlaubnis eine gute Praxis.

Das Recht am eigenen Bild (Recht am Bild der abgebildeten Person)

Neben dem Urheberrecht des Fotografen gibt es noch das Recht am eigenen Bild, das der abgebildeten Person zusteht. Gemäß § 22 Kunsturhebergesetz (KUG) dürfen Bildnisse nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden. Es gibt Ausnahmen, z.B. bei Personen der Zeitgeschichte, Fotos von Versammlungen oder Landschaften, bei denen die Personen nur Beiwerk sind. Sind Sie unsicher, holen Sie immer eine Einwilligung ein, insbesondere bei Porträts oder Nahaufnahmen von Personen.

Was kann passieren, wenn ich die Regeln breche?

Eine Urheberrechtsverletzung ist kein Kavaliersdelikt. Dem Urheber stehen verschiedene Ansprüche zu:

  • Unterlassungsanspruch: Sie müssen die Nutzung des Fotos sofort einstellen.
  • Schadensersatzanspruch: Sie müssen dem Urheber den finanziellen Schaden ersetzen, der ihm durch Ihre Nutzung entstanden ist. Oft wird hierfür die übliche Lizenzgebühr herangezogen.
  • Abmahnung: Viele Fälle beginnen mit einer kostenpflichtigen Abmahnung, die oft hohe Gebühren für den Anwalt des Urhebers sowie eine Unterlassungserklärung enthält.

Solche Verfahren können nicht nur teuer, sondern auch zeitaufwendig und rufschädigend sein.

Praktische Tipps für Fotografen und Social-Media-Nutzer

Für Fotografen:

  • Dokumentieren Sie Ihre Werke: Bewahren Sie Originaldateien (RAW), Metadaten (EXIF-Daten) und ggf. Entwürfe auf. Dies dient als Nachweis Ihrer Urheberschaft.
  • Wasserzeichen und Metadaten: Ein Wasserzeichen schreckt zwar nicht jeden Dieb ab, kann aber die Identifikation erschweren. Metadaten enthalten Informationen über den Urheber und die Nutzungsbedingungen und sollten nicht entfernt werden.
  • Lizenzen und Nutzungsbedingungen: Wenn Sie Ihre Fotos zur Verfügung stellen, klären Sie die Nutzungsbedingungen klar ab. Nutzen Sie Lizenzen wie Creative Commons, um genau festzulegen, was erlaubt ist und was nicht.
  • Verträge mit Kunden: Halten Sie in schriftlichen Verträgen fest, welche Nutzungsrechte Sie Ihren Kunden einräumen.

Für Social-Media-Nutzer:

  • Immer um Erlaubnis fragen: Wenn Sie ein fremdes Foto außerhalb der Sharing-Funktionen der Plattform nutzen möchten, kontaktieren Sie den Urheber und bitten Sie um Erlaubnis. Eine schriftliche Bestätigung ist am besten.
  • Urheber nennen: Falls Sie die Erlaubnis zur Nutzung erhalten, nennen Sie stets den Urheber und verlinken Sie die Quelle, falls möglich.
  • Eigene Inhalte erstellen: Der sicherste Weg, Urheberrechtsverletzungen zu vermeiden, ist die Nutzung Ihrer eigenen Fotos und Inhalte.
  • Im Zweifel: Finger weg! Wenn Sie unsicher sind, ob Sie ein Bild nutzen dürfen, lassen Sie es lieber sein. Die potenziellen Konsequenzen stehen in keinem Verhältnis zum Aufwand der eigenen Bildbeschaffung oder der Einholung einer Genehmigung.

Das Urheberrecht bei Fotos ist ein wichtiges Fundament für die kreative Arbeit und den Schutz von geistigem Eigentum. Es mag auf den ersten Blick kompliziert erscheinen, doch mit etwas Grundwissen und Vorsicht können Sie sich sicher in der digitalen Welt bewegen. Respektieren Sie die Arbeit anderer und schützen Sie Ihre eigene. Wenn Sie in einem konkreten Fall unsicher sind, wie Sie Ihre Rechte an Bildern schützen oder fremde Inhalte korrekt nutzen können, ist professioneller Rat oft die beste Investition. Nehmen Sie sich die Zeit und prüfen Sie Ihre Rechte an Bildern – es lohnt sich!

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